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Dein Schmerz von heute ist deine Kraft von morgen

Meine persönliche Schmerzgeschichte und der Weg zurück ins Leben

(Elisabeth, 50, Physiotherapeutin)

 

Rückblickend kann ich nun, da es mir wieder gut geht, meine Schmerzgeschichte als Geschenk betrachten. Sie hat mich viel gelehrt und wachsen lassen und ich bin nun in der glücklichen Lage, anderen Menschen dadurch zu helfen und sie zu begleiten.

 

Es begann 2011 mit dem plötzlichen Tod meines geliebten Papas, die Diagnose bösartiger Gehirntumor mit 66. In 3 Monaten war alles vorbei. Schock, sprachlose Wut und Trauer, die größte Stütze meines Lebens war mit einem Mal weg. 

 

 

Funktionieren für meine beiden damals noch recht kleinen Kinder, 4 Monate später hatte ich meinen 1. Bandscheibenvorfall. Schreckliche Schmerzen fast bis zur Bewegungsunfähigkeit. Der Körper drückte aus, was die Seele nicht konnte, weil kein Raum dafür war. Ein halbes Jahr arbeitsunfähig, langsam rappelte ich mich wieder hoch und übte und biss die Zähne zusammen. Es musste weiter gehen. Arbeiten, Geld verdienen, für die Kinder da sein und der Körper hat kompensiert. Ich begann wieder zu arbeiten, eher weil das Krankengeld zu Ende war, als dass ich mich wieder wirklich fit fühlte. So wurstelte ich mich wieder eine Zeit durch bis dann 2014. 3 Jahre später der nächste Bandscheibenvorfall kam, ihr ahnt es schon schlimmer als der erste.

 

 

God said to me "I am going to show you pain and then you are going to help people who are in pain, because you understand it"

Lady Gaga

2014 hat es mich wieder erwischt, schlimmer als beim 1. Mal. Um es kurz zu machen: ganze Prozedur von vorne, Schmerzmittel und Therapien, Reha, also volles Programm. Wieder brauchte ich ein gutes halbes Jahr, um in meinen Beruf zurückzukehren. Weil man nicht länger als ein halbes Jahr Krankengeld bekommt, begann ich wieder zu arbeiten, ausgelaugt, voller Angst und ich spürte mehr und mehr, dass ich niemanden mehr berühren wollte/konnte. Ich habe weiter funktioniert, was bleibt einem als alleinerziehende Mama anderes übrig?  So kam der Schmerz zurück 2017.

 

Und es gab kein Entkommen mehr; zur Bewegungsunfähigkeit gezwungen, absolvierte ich schon meinen persönlichen Lockdown, bevor von Corona noch die Rede war und er sollte fast 3 Jahre dauern.😕

 

Ich habe alles versucht, verschiedenste Therapien und Übungen (grau ist alle Theorie) und Ärzte aller Art. Doch keiner konnte mir wirklich helfen. Der Bandscheibenvorfall am MR gar nicht "so schlimm" laut ärztlicher Meinung und meine Schmerzen so unaushaltbar, dass kaum ein Medikament sie beruhigen konnte.

 

Ich suchte und suchte im Außen und fand keine Lösung, bis ich im Sommer 2019 an meinem persönlichen Tiefpunkt ankam... schwere Depressionen, zerfressen von Selbstzweifeln, weil allzu oft als "Psycherl" abgestempelt und ausgehöhlt von den dauernden Schmerzen. Ich erinnere mich noch genau an die Hoffnung abends beim Einschlafen und die Ernüchterung am nächsten Tag, als der Schmerz mich wieder weckte.

Ich schämte mich, wie konnte mir als Physiotherapeutin sowas passieren???

Ich muss doch wissen, wie man vorbeugt bzw. welche Therapien es braucht und welche Übungen. August 2019 wollte ich so nicht mehr weiterleben... angeregt durch eine meiner besten Freundinnen, begab ich mich widerwillig zu einer Psychiaterin, erstens weil ich eine schwere Depression aufgrund meiner Beschwerden hatte und weil ich fachlich wusste, dass Antidepressiva in chron. Schmerztherapie helfen könnten. Die ersten Wochen waren schlimm bei der Einstellung, weil sich die Beschwerden oft erst verstärken, so auch bei mir... doch ich war super aufgehoben und betreut und habe es durchgestanden.

 

Ab dann ging es bergauf, aber nicht ausschließlich durch die Medikamente. Die waren als "Krücke" in der Akutphase ein Segen, aber das Wichtigste ich begann nach innen zu gehen, zu meditieren, Psychotherapie. Ich leuchtete in alle unangenehmen Ecken und änderte mein Leben in vielen Bereichen. Ich setzte Grenzen, übte mich in Akzeptanz dem Schmerz gegenüber als Sprache meines Körpers, anerkennen was ist, dann kann es sich lösen.

 

Klingt viiiel leichter als es ist, 😉 ich horchte in mich hinein und übte radikale Selbstfürsorge und Selbstliebe, eine meiner schwersten Übungen. Langsam begann ich auszuloten, welche Übungen und welche Art der Bewegung für mich stimmig und hilfreich war, abseits von allen Theorien.  Mein Vertrauen in mich wuchs langsam. Es ging bergauf und langsam konnte ich ein wenig weiter gehen als bis zum Billa um die Ecke. Ich musste unendliche Geduld mit mir und meinem Körper haben und mir viele gute und weniger gute Ratschläge gefallen lassen. Es gab immer wieder auch sehr dunkle Tage, an denen ich mir nicht vorstellen konnte, es jemals wieder zu schaffen, mich halbwegs normal zu bewegen, geschweige denn meinem Beruf nachzugehen. Existenzängste raubten mir den Schlaf, aber die helleren Tage begannen mehr zu werden.

  

Ich traf viele " Engel", die mich therapeutisch oder ärztlich begleiteten und dafür bin ich unendlich dankbar. Ich danke meinen 2 wundervollen Töchtern, die mich in dieser schweren Zeit begleiteten und alle Hochs und Tiefs miterlebten, mit mir weinten und jeden Schritt feierten den ich mehr schaffte, mich unterstützten und mich trösteten. Ihr 2 seid mein Leben und der Grund, warum ich jeden Tag gerne aufstehe und mich aufs Leben freue, auch in der finstersten Zeit. Letztlich habe ich es geschafft, bin der wundervollen Charlotte Plesz begegnet und sie hat mich wie selbstverständlich in ihr tolles Team aufgenommen, als ob sie schon immer auf mich gewartet hätte. Charlotte, ich danke dir 💛 du bist einer dieser Engel...☺. Ich habe zurückgefunden, mein Rücken wird mein Thema bleiben, aber die Schmerzen haben sich zum Großteil verabschiedet, Sie kommen als Warnung, wenn ich über meine Grenzen gehe, ich bin dankbar für diesen schweren Weg, er hat mich vieles gelehrt, ich habe therapeutisch zu dem gefunden was mir entspricht und ich liebe meine Arbeit, es ist vielmehr Passion, Mission.

 

Ich möchte Menschen begleiten mit ihrem Schmerz Frieden zu schließen und ihren Weg damit zu finden.

Ich kann sagen : " Ich weiß, ich verstehe dich, ich war auch an dem Punkt", ich habe erlebt, wovon ich rede und ich bin voller Vertrauen, es gibt Hoffnung, das Leben ist immer für dich.😊

 

Ich freue mich über jeden Patienten, der zu mir kommen will, ich bin 100% für jeden einzelnen da.

You are welcome eure Elisabeth 

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